Das Pferd im Galopp durch Mitziehen (Panning) fotografieren – Pferd scharf, Hintergrund verschwommen
Fotos aus dem Rennsport mit scharfen Autos und dynamischer Unschärfe im Hintergrund kennt man. Diese werden über eine längere Belichtungszeit und das synchrone Mitziehen der Kamera mit der Bewegung des Autos erreicht.
Hier haben wir ein sehr einfaches Setting, da Autos nicht sehr sprunghaft sind und die Bewegungsrichtung und Geschwindigkeit i.d.R. voraussehbar sind.
Galoppierende Pferde durch Mitziehen fotografieren
Das Gleiche können wir auch bei einem Pferd machen. Hier haben wir fotografisch deutlich mehr Spaß, da die Bewegungen nicht nur horizontal, sondern auch in einem gewissen Umfang vertikal erfolgen. Durch den Galopp bewegt sich der Körper auch nach oben und unten.
1/30 Sek. | f / 6,3 | ISO 100 | 70 mm Brennweite (KB)
Was müssen wir technisch beachten beim Mitziehen?
Grundlage:
Wichtig ist, dass diese Fotos am besten klappen, wenn das Pferd weder auf die Kamera zuläuft noch davon wegläuft, sondern parallel zum Fotografen!
Belichtungszeit:
Die richtige Belichtungszeit ist das A und O bei dieser Art von Fotografie. Dabei hängt die Wahl der Belichtungszeit von dem Faktor der Geschwindigkeit des Pferdes und dem eigenen Können beim Mitziehen. Die Kompetenz muss man trainieren.
Belichtungszeit für den Einstieg:
1/60 Sekunde: Diese Belichtungszeit bietet für den Start einen sehr guten Anfangswert, um eine höhere Erfolgsquote für ein scharfes Pferdeprofil zu bekommen.
1/30 Sekunde: Tolle Dynamik und eine schöne Unschärfe im Hintergrund, erfordert aber Übung und eine ruhige Hand.
1/15 Sekunde und kürzer: Kann man machen und ist abhängig davon, wie schnell das Pferd läuft bzw. galoppiert.
1/125 Sekunde: Kann notwendig werden, wenn das Pferd sehr nahe am Fotografen vorbeirennt.
Kamera-Einstellungen: Fokus
Fokusfeld
Wo soll die Schärfe sitzen? Wir schauen Lebewesen immer als Erstes in die Augen. Daher sollte die Schärfe auf den Augen bzw. dem Kopf des Pferdes sitzen. Daher bietet sich, sofern die Kamera diesen Modus bietet, eine Augenerkennung bei Tieren an. Einschalten und testen!
Haben wir in der Kamera keinen Augenerkennungsfokus, dann am besten das zentrale Einzelfeld in der Mitte nutzen. Dieses ist meistens das schnellste Fokusfeld. Damit direkt auf den Kopf bzw. das Auge des Pferdes zielen oder auf den Reiter.
Fokus-Modus
Der kontinuierliche Autofokus hilft hier unwahrscheinlich. Je nach Kamera nennt dieser sich AF-C (kontinuierlich) oder AI-Server
Belichtungsmodus
Wir wollen die Belichtungszeit fest vorgeben. Daher können wir den Modus S (Nikon/Sony/…) bzw. Tv (bei Canon) wählen und den ISO-Wert auf Automatik setzen. Natürlich geht auch ein komplett manueller Modus, sofern die Helligkeit konstant bleibt. Sobald vorbeiziehende Wolken die Sonne abschatten, ist der manuelle Modus unpraktisch.
Technik/Bewegungsablauf
Die eigene Koordination ist für gelungene Fotos extrem wichtig. Daher üben, üben, üben!
Stand und Drehung: Stabiler Stand ist wichtig, i.d.R. beide Füße hüftbreit und die Fußspitzen zeigen in einem V weg. Die Drehung des Oberkörpers erfolgt aus der Hüfte heraus. Durch die Drehung aus der Hüfte ist ein ruhiger Bewegungsablauf möglich!
Anvisieren frühzeitig: Durch das frühe Anvisieren durch den Sucher oder das Display wird die Bewegung bereits vor dem Foto gestartet und kann somit ruhiger und ausgewogen ablaufen.
Mitziehen: Die Bewegung der Kamera sollte flüssig und in einer horizontalen Linie parallel zur Laufrichtung des Pferdes erfolgen.
Weiterziehen und nicht stoppen: Auch wenn das Foto bereits gemacht ist, nicht sofort mit der Bewegung stoppen. Das führt bereits im Vorfeld zu einer Verlangsamung der Bewegung. Nutzt man folgende Hinweise, kommt man nicht in Versuchung und zieht durch.
Warum nur ein Foto, wenn mehr möglich sind? Wir können den Serienbildmodus aktivieren. Wir bekommen dann durch das Durchdrücken so lange Fotos, solange wir den Auslöser nicht loslassen.
Hinweise für noch bessere Fotos bei Mitziehen
Parallel stehen: Die Bewegung lässt sich am besten einfangen, wenn das Pferd im rechten Winkel (90 Grad) vorbeiläuft.
Die „Flugphase“ ist die ruhigste Phase: Die Bewegung hoch und runter des Pferdes durch das Abdrücken der Beine vom Boden und eventuelle Bodenunebenheiten sind für die Schärfe kontraproduktiv. Daher ist der beste Zeitpunkt für mitgezogene Fotos, die das Pferd scharf abbilden, die Flugphase, wenn alle Beine des Pferdes in der Luft sind.
Keinen zu ruhigen Hintergrund: Haben wir Bäume, Zäune etc., bekommen wir eine schöne Unschärfe. Wir wollen also einen Hintergrund mit Kontrasten.
Wäre nur ein Sandplatz oder eine einfache Wiese vorhanden als Hintergrund, würde hier durch Mitziehen nahezu keine sichtbaren Streifen entstehen, die die Charakteristik von mitgezogenen Fotos ausmachen. Auch ein wolkenloser blauer Himmel oder ein gleichmäßig grauer Himmel ist wenig hilfreich. Aber bitte keine drastischen Änderungen der Helligkeit im Hintergrund – siehe folgenden Punkt.
Keine drastischen Änderungen der Helligkeit im Hintergrund: Sollten im Hintergrund schnelle Wechsel der Helligkeit erfolgen, machen diese sich nicht besonders gut in der dynamischen Unschärfe im Hintergrund. Daher Schattenzonen vermeiden. Daher hier auf den Hintergrund achten.
Sonnenstand: Kommt die Sonne von der Seite, werden die Strukturen wie z.B. Muskeln sehr schön betont. Hat man die Sonne im Rücken, funktioniert es auch sehr gut. Bei Gegenlicht verliert der Autofokus häufig seinen Schärfepunkt.
Eventuelle Probleme
Zu viel Licht: Sollten wir zu viel Licht haben, weil wir strahlenden Sonnenschein haben, können wir die Belichtungszeit eventuell nicht länger machen. Hier würde 1/30 Sekunde bereits zu einer Überbelichtung führen. Hier hilft dann ein Graufilter (ND-Filter mit ND8 oder ND64) weiter.
Hinweis zur Sicherheit aller Beteiligten
Abstand halten! Sich bewegende Pferde benötigen Platz und der „Bremsweg“ ist deutlich länger, je schneller die Bewegung ist. Daher ausreichend Sicherheitsabstand halten, denn gegen rund 500 kg Lebendgewicht hat man als Fotografierender bei Kollision wenig dagegenzusetzen, egal wie viel man selbst wiegt!
Und nun viel Spaß und Erfolg beim Fotografieren von gallopierenden Pferden durch mitziehen.