Bildbearbeitung und Fotografieren

Ein Thema, das von manchen Fotografen abgelehnt wird und von manchen Fotografen bestaunt wird. Aber Bildbearbeitung bei Fotos muss nicht schwer sein.

Vorab noch ein Wort an die Fotografen, die Bildbearbeitung nicht machen möchten (und davon kenne ich ein paar). Was früher in der analogen Fotografie die Entwicklung von Fotos in der Dunkelkammer dargestellt hat, ist heutzutage die Bildbearbeitung. Trügerisch ist, dass ja anscheinend aus der Kamera ein „fertiges“ Bild herausfällt. Aber dieses Bild ist meistens ein JPG-Bild. Und allein schon durch die Komprimierung hat die Kamera in das Bild „reingegrätscht“ (würde man im Fußball sagen).

Will man als Fotograf die bestmögliche Qualität, wird man seine Fotos im Format RAW aufnehmen. Das bedeutet, dass alle vom Kamerasensor erfassten Daten in 16-Bit Farbtiefe (8 sind es nur bei JPG) in der Bilddatei abgespeichert werden. Daher auch der Dateigrößenunterschied zwischen RAW und JPG – RAW ist meistens das 4- bis 5-fache größer als JPG.

Sportfotografen sind hier einmal für viele Sportevents ausgenommen, da diese sofort nach dem Ereignis (Sprung, Tor, was auch immer an Sport) abliefern müssen und dort im Endeffekt direkt aus der Kamera zur Redaktion übertragen wird.

Hat man nun als Fotograf seine Fotos in RAW aufgenommen, bleibt nichts anderes als die Entwicklung des Fotos übrig. Und somit sind wir bereits in der Bildbearbeitung angekommen.

Alles gleich richtig beim Foto aufnehmen?!?

Oft höre ich das Argument, man muss halt gleich alles korrekt einstellen und den perfekten Ausschnitt wählen. Darf ja jeder machen, wie er mag. Aber in der Fotografie mit Menschen kann man durch stundenlanges Aufnehmen das Model stressen und die meisten Modelle möchten durchaus mehr als nur 1–2 perfekte Aufnahmen pro Foto-Session. Außerdem killt man einen aufkommenden Flow während des Fotografierens sofort im Ansatz. Ich für meine Person lebe gerne damit, dass während einer Fotosession viele hundert Aufnahmen entstehen und ich die Auswahl von den besten Fotos habe. Mimik, Gestik und Pose können sich schnell ändern und diese Mikromimik im Gesicht ist oft Gold wert und macht ein Foto authentisch. Dafür nehme ich gerne in Kauf, dass ich:

  •  Auswählen muss (was Zeit kostet),
  •  die Fotos teilweise begradigen muss (im Eifer des Gefechts ist es nicht wichtig, ob ein Foto 100 % gerade zum Horizont aufgenommen wurde, wenn man genügend Rand hat, zum schneiden
  •  Vielleicht für ein paar Posen kein gutes Foto herauskommt, dafür aber das Model weiter bei guter Laune bleibt und den Spaß am modeln behält
  •  Mehr Kontrastumfang habe (besonders bei schwierigen Fotos notwendig)

Kameras killen Schärfe! Bildbearbeitung zaubert diese wieder her

Und noch eins: vielen Fotografen ist nicht bewusst, dass in so gut wie jeder Kamera ein Filter integriert ist, der die Bilder unscharf macht! Ja, das hört sich erst einmal merkwürdig an und ergibt nur dann Sinn, wenn man den Moiré-Effekt kennt. Dies sieht man bei manchen Mustern im Fernsehen, die durch die Überlagerung von feinen Rastern als Wellenmuster angezeigt werden. Genau das wollen die Kamerahersteller vermeiden, unter dem Motto: Wir vermeiden diesen Effekt am besten immer (durch technische Maßnahmen) auch wenn es nur bei einer gewissen Sorte von Fotos vorkommen kann (uns doch egal). Und wir nehmen in Kauf, dass dann ALLE Fotos leicht unscharf sind und sagen es am besten den Fotografen nicht, damit diese nicht unglücklich werden.

Diese Unschärfe kann sehr einfach als letzter Schritt bei der Bildbearbeitung beseitigt werden, durch die gezielte Anwendung des Hochpassfilters. Hört sich hier furchtbar kompliziert an, aber im entsprechenden Kapitel sind das 2–3 Klicks und wir bekommen knackscharfe Fotos. Sie werden staunen!

Bildbearbeitung ist nicht schwierig und es gibt immer wieder ein paar übliche Schritte und Vorgehensweisen.

Welche Software zur Bildbearbeitung für Fotografen?

Im Kurs werde ich alle Schritte mit der hervorragenden Software von Affinity mit dem Namen Affinity Photo machen. Der eine oder andere wird sich fragen, warum nicht mit einer sehr verbreiteten Software von einer Firma, die nur noch Abo Modelle anbietet. Ich persönlich hasse Abo-Modelle und weiß nicht, warum ich irgendein Abo abschließen soll, wenn es auch anders geht! Die Software mit dem Namen Affinity Photo (siehe https://affinity.serif.com/de/photo/ ) kostet zwar auch Geld, aber dies ist einmalig. Für den gebotenen Leistungsumfang ist diese Bildbearbeitungssoftware erstaunlich günstig (zurzeit rund 55 Euro und zeitweise gibt es Aktionen vom Hersteller, was dann einen Preis zwischen 25 und 30 Euro ergibt). Sie gibt es für Windows wie auch für den Mac.

Die Vorgehensweisen sind von Hersteller zu Hersteller dieselben, nur in den Menüs sind die Befehle anders angeordnet und die Benennung ist anders. Also einfach ansehen und entsprechend übertragen, wenn man nicht Affinity nutzen mag (es gibt eine kostenfreie Testversion).

Was die typischen Schritte in der Bildbearbeitung sind?

Bei der Bearbeitung von Fotos sind immer wieder die gleichen Schritte bzw. die Kontrolle, ob hier etwas getan werden muss, notwendig.

  1. Entwicklung von RAW für Belichtung und Schwarzpunkt
  2. Bild begradigen (wenn notwendig)
  3. Störende Elemente beseitigen: ein Pickel kann prompt am Morgen vom Tag des Shootings wegen der Aufregung kommen. Da dies nicht ein permanenter Bestandteil des Menschen ist, habe ich damit absolut kein Schmerz, diesen in ein paar Sekunden über die Bildbearbeitung zu entfernen. Bei einem Muttermal würde ich das nicht.
  4. Bildausschnitt festlegen: je nach Verwendung und Bildaussage
  5. Farben eventuell noch kräftiger machen
  6. Foto am Ende für die gewünschte Verwendung entsprechend verkleinern (z.B. Instagram auf eine Breite von 1080 Pixel)
  7. Für die gewünschte Auflösung einmal schärfen (ohne das Foto zu zerstören)

Wer hier jetzt noch weitermachen möchte, Bildelemente austauschen (versehentlich aufgenommene Steckdose an der Wand entfernen), ungewünschte Bildelemente im Dunkeln verschwinden lassen, Bereiche aufhellen oder abdunkeln, der kann das über die Bildbearbeitung genauso machen.

In den kommenden Kapiteln wird nun Schritt für Schritt die Vorgehensweise erklärt.

Fotografieren Lernen durch Bildbearbeitung!

Und noch ein bedeutungsvoller Aspekt bei der Bildbearbeitung ist, dass jeder (ich auch, deshalb mache ich sehr gerne Bildbearbeitung) sich im fotografischen Schaffen weiterentwickeln kann. Durch die Beschäftigung und genaue Betrachtung von einem erstellten Foto, das man in Bruchteilen einer Sekunde erstellt hat, wurden im Vorfeld ein paar Entscheidungen getroffen. Erst nachträglich kann man in Ruhe analysieren, ob diese Entscheidungen gut waren und was man beim nächsten Mal besser machen könnte.

Daher meine Empfehlung an jeden Fotografen – mit Bildbearbeitung beschäftigen! Am Anfang mögen die erzeugten Ergebnisse einen noch nicht überzeugen aber die eigene Weiterentwicklung ist Gold wert. Und ab einen gewissen Zeitpunkt wird die Bildbearbeitung einen dann extrem schnell von der Hand gehen und richtig Spaß machen (mir zumindest). Und wenn ich als Model die Auswahl an einem Fotografen habe, der Bildbearbeitung macht und an einem, der diese kategorisch ablehnt, dann wüsste ich durchaus, von wem ich fotografiert werden möchte.