Gegenlichtaufnahmen – Gegenlicht nutzen für besondere Fotos

Als Anfänger liest und hört man immer die alten „Weisheiten“, dass man mit dem Licht fotografieren sollte und solche Sprüche wie „die Sonne lacht, Blende 8“. Würde man sich nur an diese Sprüche halten, würde man viele tolle Fotos versäumen. Schauen wir uns in diesem Kapitel Gegenlichtaufnahmen an. Durch das Meistern von Gegenlicht lernt man extrem viel übers Fotografieren und wie man seine eigene Kamera perfekt nutzt. Natürlich hat Gegenlicht seine Tücken und Einsteiger, die mit dem Automatikmodus fotografieren, werden zu merkwürdigen Ergebnissen kommen – dies wollen wir im folgenden Tutorial beheben und die Hintergrundinformationen liefern, damit in Zukunft die passende Vorgehensweise für das Meistern von Gegenlichtaufnahmen beim Fotografieren angewendet werden kann.

Es gibt mehr als eine Variante von Gegenlichtaufnahmen:

Durchlicht für feinste Strukturen: Durchlicht ist auch nur eine Form des Gegenlichts

In der folgenden Aufnahme wurde die durch das Blatt fallende Sonne genutzt. Wir haben damit eine Form des Gegenlichts. Das durch das Blatt scheinende Licht zeigt alle Strukturen und feinste Verästelungen des Blattes.

Durchlicht für feinste Strukturen
Durchlicht für feinste Strukturen

Solche Durchlichtaufnahmen funktionieren nur mit Dingen, die dünn genug sind, damit Licht durchscheinen kann. Hier bitte auch an Aufnahmen von einer Zwiebel denken – alles, was man sehr dünn schneiden kann, damit das Licht durchscheinen kann. Durchlicht für Fotos von Menschen ist also i.d.R. nicht wirklich denkbar.

Gegenlichtaufnahme mit Silhouette trotz Sonnenlicht (bzw. gerade deshalb)

Im folgenden Bild sehen Sie Musikanten um 16 Uhr nachmittags. Die Kamera hat bei der Tagesaufnahme die Menschen als Silhouette abgebildet. Der Himmel dagegen ist perfekt belichtet.

Gegenlichtaufnahme mit Silhouette
Gegenlichtaufnahme mit Silhouette

Was passiert in der Kamera? Der vorhandene Kontrastumfang der Realität kann von der Kamera bzw. der Technik nicht abgebildet werden. Also kann man als Fotograf diesen Umstand nutzen, um Silhouetten zu bekommen. Im Beispielfoto erhalten wir einen perfekt belichteten Himmel und ansonsten nur Umrisse. Würde man die Belichtung als Fotograf in die andere Richtung beeinflussen, wären als Ergebnis die Menschen gut sichtbar, allerdings der Himmel ein einziger weißer Fleck. Wie gesagt: der Kontrastumfang der Realität ist bei Gegenlichtaufnahmen sehr oft zu hoch, als dass die beschränkte Technik der Digitalkamera (genauso auch bei Analogkameras) dies abbilden könnte. Also machen wir aus der Not eine Tugend und nutzen die Möglichkeit für starke Umrisse.

Wir können über Gegenlicht Stimmungen zaubern

Mit Gegenlichtaufnahmen bekommen wir die Möglichkeit Stimmungen zu zaubern, die für das Auge nicht direkt wahrnehmbar sind. Im folgenden Foto ist die Sonne bereits dabei unterzugehen – die Wolken werden von unten angestrahlt. Die Sonne befindet sich rechts vom Bild. Wir sehen die stimmungsvollen Wolken, die Stadt versinkt im Dunkel und zeigt sich nur in ein paar Umrissen – außer des Kirchturms und der Rundfunkantenne ist nichts erkennbar.

Stimmungsvolle Bilder
Stimmungsvolle Bilder

Man kann auch mal fast direkt in die Sonne fotografieren - nicht hineinsehen!

Konzert in Afrika bei Sonnenuntergang
Konzert in Afrika bei Sonnenuntergang

Natürlich sollte man den Verschluss nicht lange offen lassen, da sonst die Technik durch starkes Sonnenlicht und den Brennglaseffekt von Objektiven Schaden nehmen könnte. Aber einfach einmal testen.

Gegenlichtaufnahme - fast direkt in die Sonne fotografiert
Gegenlichtaufnahme - fast direkt in die Sonne fotografiert

Die Einstellungen an der Kamera erlauben uns entweder ein Bild mit Umrissen und einen perfekt belichteten Himmel zu erhalten, oder besser sichtbare Details und einen überbelichteten Himmel - wie im folgenden Vergleichsbild:

Links ist der Himmel perfekt belichtet, die Stadt allerdings "abgesoffen" - rechts dagegen eine erkennbare Stadt, allerdings mit komplett überbelichtetem (ausgefressenem) Himmel.

abgesoffener VS ausgefressener Bereich
abgesoffener vs. ausgefressener Bereich

Wissen anwenden auf die Porträtfotografie

Wollen wir dieses Wissen nun auf die Porträtfotografie anwenden, müssen wir uns fragen, was die Zielsetzung bei einem Porträt ist. Hier wird man i.d.R. die Person erkennen wollen. In der folgenden Bilderserie ist bei gleicher Blende zu sehen, wie die Belichtungszeit den Bildeindruck verändert und der Schwerpunkt vom Hintergrund ohne erkennbare Person zu einer erkennbaren Person mit ausgefressenem Hintergrund führt.

Beispielreihe Belichtungsreihe über Zeiteinstellungen
Beispielreihe Belichtungsreihe über Zeiteinstellungen

Gegenlicht als Kantenlicht mit starker Betonung von Haaren und Kanten

Kantenlicht – in diesem Fall Katzenkantenlicht
Kantenlicht – in diesem Fall Katzenkantenlicht

Gegenlicht kann je nach Stand der Lichtquelle zu einer starken Betonung von Kanten und Haaren führen.

Vorgehensweise für perfekte Gegenlichtfotos

Digitalkameras bieten verschiedene Messmethoden an:

Bei den ersten drei Messmethoden versucht die Kamera, die richtige Belichtung anhand einer internen Datenbank herauszurechnen. Das geht bei Extremaufnahmen, wie es Gegenlicht darstellt, i.d.R. gründlich schief.

Wir wollen selbst festlegen, welcher Bereich in unserem Foto als Grundlage für die Belichtungsmessung genutzt wird.

Hier wird dem Fotografen durch die Spotmessung die Wahl gegeben. Spot bedeutet einfach eine Punktmessung, wobei der Punkt kein Punkt, sondern ein Kreis ist (sprich Englisch „Spot“). Diese Kreisgröße wird von Herstellern in einer Prozentgröße vom Gesamtbild angegebenen.

Bitte bei der eigenen Kamera darauf achten, wie groß dieser Spot ist. Oft ist bei teuren Kameras der Spot deutlich kleiner – sprich zwei bis drei Prozent des Bildausschnitts. Dagegen hören sich fünf Prozent als Spotgröße auch nach nicht viel mehr an – es macht aber einen deutlichen Unterschied. Egal was man hat, mit Übung kommt man damit zu seinen gewünschten Ergebnissen.

Je nach Kameramodell muss man nach dem Messen des Spots eine Taste gedrückt halten, damit die Kamera die Belichtung für den gemessen Spot beibehält, bis der Fotograf den Auslöser endgültig drückt. Diese Taste hat die Beschriftung "AE-L/AF-L Taste". Die Bedeutung ist "AutoExposure Lock" – also "Automatische Belichtung einfrieren".

Was wird in dem Spot gemessen?

Die Kamera erwartet einen Mittelwert – sprich, wenn wir mit dem Spot genau auf eine schwarze Fläche messen, erhalten wir als Ergebnis eine mittelgraue Fläche. Das gleiche passiert, wenn wir mit dem Spot eine weiße Fläche anvisieren und diese messen. Auf dem gemachten Foto wird die weiße Fläche als mittelgraue Fläche dargestellt!

Unbedingt testen – dieses Verhalten erklärt mehr in der Fotografie als alles andere. Eine Kamera kann nicht wissen, was schwarz oder weiß ist und braucht daher einen Mittelwert. Profis führen eine Graukarte mit sich. Diese Graukarte stellt das genormte mittlere Grau dar. Misst man nun die Lichtsituation darüber, erhält man ein perfekt belichtetes Foto. Allerdings hat man oft die Zeit dafür nicht. Bei vielen spontanen Aufnahmen gibt es auch nicht die Gelegenheit dafür.

Daher üben! Eine Person vor ein Fenster stellen und das Gesicht perfekt belichtet auf dem Foto abbilden. Das kann einiges an Zeit benötigen. Aber je öfter man es übt, desto mehr wird man dann im Bedarfsfall schnell zu einem guten Ergebnis bekommen.

Dazu noch ein Trick am Rand erwähnt:

Gesichter (mit heller Hautfarbe) stellen annähernd den Mittelwert dar. Hier sieht man, wie „rassistisch“ Kameras sein können. Nimmt man dunkelhäutige Menschen auf, dann muss man die Belichtung entsprechend korrigieren (das aber nur am Rande).

Also messen Sie mit der Spotmessung genau eine Hautpartie des Porträtierten, dann erhalten Sie eine gute Belichtung.

Tipps für Gegenlichtaufnahmen

Belichtungsreihen

Viele Kameras erlauben es, Belichtungsreihen aufzunehmen. Man hat dann einfach mehrere Fotos, die sich in der Belichtung unterscheiden. Das ist oft hilfreich, allerdings nicht bei Aufnahmen mit viel Bewegung, da Zeit zwischen den Aufnahmen vergeht.

Wichtigster Tipp

Üben, üben und üben. Das schärft auch den Blick für kritische Situationen, die eine Belichtung schwierig machen können.