Feuerwerk fotografieren

Feuerwerk fotografieren (Foto: A. Pratzner)

Kamera:
Canon EOS 6D
Blende:
f/8
Belichtung:
18 Sek. (mit Verdecken von Objektiv)
ISO:
100
Brennweite:
40 mm

Feuerwerk fotografieren

Vor den guten Vorsätzen für das neue Jahr (falls man die alten schon abgearbeitet hat) kommt der Wunsch, das Feuerwerk optimal zu fotografieren. Mit ein bisschen Vorbereitung und Wissen klappt das auch.

Vorbereitung:

Zu diesen Dingen weiter unten mehr, jetzt erst einmal das „Wie wird das Feuerwerk ideal fotografiert“

Wissenswertes zum Fotografieren von Feuerwerken

Die Kameraeinstellungen sind relativ einfach.

Belichtungszeit:

Was wir wollen, sind Belichtungszeiten von 10-30 Sekunden. Warum? In dieser Zeitspanne gibt es genügend Feuerwerksraketen und der Himmel ist nie leer. Im Vorfeld, sobald man seinen Standort gefunden hat, dann einfach mit den Einstellungen Probeaufnahmen machen, um zu sehen, wann die Umgebung gut belichtet ist (diese soll später durchaus auf dem Foto zu sehen sein und nicht überbelichtet). Hier kommt man je nach Stadt oder Land auf unterschiedliche Werte. Für die gezeigten Aufnahmen vom Tübinger Feuerwerk waren das 15 Sekunden. In Großstädten herrscht mehr „Lichtverschmutzung“ - da kann das kürzer sein - auf dem Land und in Dörfern länger (was auch praktisch ist, da dort meistens weniger Raketen gleichzeitig gestartet werden). Also testen, was die ideale Belichtungszeit für den jeweiligen Standort ist. Solch lange Belichtungszeiten funktionieren nur mit Stativ!

ISO-Zahl

So wenig wie möglich, um ein unnötiges Rauschen zu vermeiden. Sprich: Wenn Ihre Kamera kann, ISO 100 (manche Kameras fangen erst bei ISO 200 an - dann diesen Wert nehmen).

Blende

Bei Feuerwerken haben wir ein Gebiet der Fotografie, wo alle Werte gut zusammenspielen. Wir wollen eine große Schärfentiefe und wir wollen lange belichten können. Daher einen großen Blendenwert (sprich Blende 8 aufwärts). Zur Erinnerung: Je kleiner das Blendenloch ist (hoher Blendewert), desto weniger Licht kommt in die Kamera - die Belichtungszeiten steigen und die Schärfentiefe nimmt zu.

Unerwünschter Nebeneffekt bei hohen Blendenwerten: Wir erhalten durch die Lichtbrechung an den Lamellen der Blende bei hellen Lichtern die sog. Blendensterne. Also darauf achten, d. h. auch nicht übertreiben mit der Blendenzahl. Blende 64 ist also nicht unbedingt die ideale Wahl.

Schärfe

Auch den Punkt der Schärfe legt man i. d. R. vorab fest. Durch die große Schärfentiefe ist das auch kein Problem. Wenn wir während des Fotografierens nicht den Ausschnitt verändern, stellen wir vorher die Schärfe ein und schauen, dass der Fotoapparat auf manuellen Fokus eingestellt ist und nicht selber durch AF die Schärfe versucht zu bestimmen (was bei Dunkelheit meistens sowieso nicht klappt).

Die Schärfe legen wir im Verhältnis 1/3 zu 2/3 (siehe Kapitel Schärfentiefe und Landschaftsfotografie). Im Beispielfoto wurde die Schärfe auf die Lichter der Neckarbrücke gelegt (ideal zum Scharfstellen). Alles wichtige davor (Spiegelungen im Wasser) und dahinter ist auch noch scharf. Somit auch das Feuerwerk darüber.

Brennweite

Hier hilft meistens etwas in Richtung 50mm (bei KB) oder weniger. Wir brauchen viel Himmel und wenig Großaufnahmen. Daher ein Objektiv einpacken, das zwischen 24 und 70 mm liegt.

Wahl des Ausschnitts

Jetzt geht es um einen Punkt, der Erfahrung benötigt. Normalerweise ist unbekannt, wo die meisten Raketen hochgehen werden. Und diese Raketen erreichen auch unterschiedliche Höhen. Daher lieber in der Höhe etwas mehr dazugeben als später über den schönsten runden Feuerball zu jammern, der oben abgeschnitten ist.

An Silvester gibt es praktischerweise immer Leute, die zwar die Uhr nicht lesen können, aber ein Feuerzeug bedienen, und die weit vor Mitternacht ihre Raketen feuern. Somit haben wir schon mal eine Referenzhöhe - daher rechtzeitig zum Aufbau und Einstellen der Kamera da sein. Bei professionellen Feuerwerken haben Sie natürlich Pech.

Schärfe und Ausschnitt und innenfokussierte Objekte

Das Schöne bei innenfokussierten Objekten ist, dass diese den Schärfepunkt beibehalten, auch wenn man den Ausschnitt ändert! Einfach mal probieren, wenn Sie ein innenfokussiertes Objektiv haben. Innenfokussierten Objekte erkennt man daran, dass sich die Länge des Objektives nicht verändert, wenn man zoomt.

Viele Fotos machen

Und jetzt heißt es nur noch: viele Fotos machen und Glück haben, dass die schönsten Explosionen genau im gewählten Ausschnitt stattfinden. Je nach Land hat man eine halbe Stunde oder - zum Beispiel in China - deutlich länger.

Feuerwerk mit Spiegelung im Wasser

Profitrick Feuerwerksfoto

Profitrick zum Feuerwerksfoto: Langzeitbelichtung heißt die Devise - sprich die Einstellung „Bulb“. Und damit diese kontrollierbar wird, wird die Linse bei Pause, (sprich: niemand startet gerade Raketen), mit einer schwarzen Moosgummiplatte oder einem schwarzen Hut abgedeckt. Und hier gilt dann mitzählen der Sekunden, wann die Linse offen ist! Die am Anfang ermittelten Zeiten gilt es Pi mal Daumen hier einzuhalten. Die Funktion der Langzeitbelichtung bitte im Vorfeld mit der Kamera testen - das sollte man nicht zum allerersten Mal bei Dunkelheit und Feuerwerk ausprobieren, sondern bereits wissen, wie die Kamera reagiert und was diese braucht.

Vorbereitung

Ein Stativ ist extrem wichtig - und hier bitte nicht eines, das umfällt, wenn man es nur ansieht. Das Teil muss stabil stehen, auch wenn man die Kamera bedient. Gute Stative haben an der Stange unten einen Haken, den man herausziehen kann und an den man ein Gewicht hängen kann. Somit wird das Stativ noch stabiler! Hier bietet sich der Fotorucksack an. Und der steht dann auch gleich nicht mehr im Nassen.

Der ideale Standort

„Location, location, location“ wie es so schön bei Achmed von Jeff Dunham heißt (einfach mal in Youtube suchen). Der Standort bestimmt, ob das Feuerwerksfoto WOW wird oder gut oder langweilig. Ideal ist ein Standort, an dem später auch noch Dritte erkennen können, wo das Bild gemacht wurde. Also am besten, man hat bekannte und markante Gebäude einer Stadt auf dem Foto. Im Bespielfoto ist die Stiftskirche von Tübingen zu sehen (relativ schlecht, weil dunstiges Wetter) und die Eberhardsbrücke - Tübinger werden erkennen, dass das Foto aus Tübingen ist.

Ideal ist, wenn man vor sich ein Gewässer hat. Das hat 2 Effekte: Wir bekommen doppelt so viel Feuerwerk, weil dieses sich im Wasser spiegelt, und wir haben keine Leute vor uns (denen ist das Wasser i. d. R. zu nass), die einem das Bild ruinieren, weil sie genau vor einem Kracher schmeißen und Tischfeuerwerke zünden.

falscher Vordergund stört die Bildwirkung

Daher genau diese Ansammlungen von Leuten vermeiden. Wir wollen das schöne Feuerwerk am Himmel festhalten und nicht den erleuchteten Schnee vor uns.

Feuerwerk direkt vor einem „killt“ das Feuerwerk im Hintergrund.

Und nun viel Spaß beim Fotografieren von Feuerwerken.