Wasserperücke – durch Highspeed-Fotografie und Wasserbombe möglich

Wasserperücke – durch Highspeed-Fotografie und Wasserbombe möglich

Kamera:
Canon EOS 6D
Blende:
f/8
Belichtung:
2 Sek.
Brennweite:
70 mm
ISO:
400

Highspeed-Fotografie – oder wie aus Wasserbomben Wasserperücken entstehen und man Menschen nass macht

„Ich gebe dem Moment Dauer.“ Zitat von Manuel Alvarez Bravo

Die Faszination der Highspeed-Fotografie besteht darin, dass Dinge sichtbar werden, die zu schnell für das Auge ablaufen und somit verborgen bleiben. So auch das Zerplatzen einer Wasserbombe oder Fotos von auftreffenden Wassertropfen. Aber langsam mit den Pferden und der Reihe nach. Wie kommt man überhaupt auf die Idee, Menschen Wasserballons auf dem Kopf zerplatzen zu lassen? Was wird für solche Highspeed-Fotos an Kameraausrüstung und zusätzlichem Equipment benötigt? Dies wird im folgenden Tutorial gezeigt (mit einigen Stolpersteinen, die man umgehen sollte).

Als Erstes benötigt man ein paar Verrückte, die solche Aktionen mitmachen (der Bedarf an helfenden Händen ist erstaunlich hoch).

Aber schauen wir uns zuerst die technischen Möglichkeiten an, schnelle Bewegungen fotografisch einzufrieren:

Technik/Fotografie Vor- und Nachteile

Im richtigen Augenblick abdrücken

Für das perfekte Bild ist sehr viel Geduld und sehr viel Glück notwendig (und in diesem Fall extrem viele gefüllte Wasserballons).

Auch haben wir (selbst, wenn wir selber schnell genug sind) auf der technischen Seite Auslöseverzögerungen.

Vorteil sind die geringen Kosten.

Serienbildfunktion

Abhängig von den vorhandenen Möglichkeiten der Kamera (und der Speicherkarte) können wir eine Serienbildfunktion nutzen. Hier wird je nach Kamera und Hersteller mit über 60 Bildern pro Sekunde geworben.

Für das perfekte Bild ist Geduld und Glück notwendig (und sehr viele gefüllte Wasserballons).

Zusätzlicher Nachteil: Oft werden wir mit der Bewegungsunschärfe auf den Fotos zu kämpfen haben, da die Wassertropen sehr hohe Geschwindigkeiten haben.

Spätestens wenn wir mit Blitzen arbeiten möchten, wird diese Technik „unschön“ bzw. die Anzahl der Bilder pro Sekunde der Serienbildfunktion sinkt deutlich.

Kamera durch externes Signal auslösen

Über einen Sensor (z.B. Reaktion auf Geräusche oder Licht) wird die Kamera ausgelöst.

Nachteil: Wir benötigen entsprechende zusätzliche Geräte, welche die Kamera auslösen, sprich „triggern“.

Großer Nachteil: Auch hier haben wir Auslöseverzögerungen! Diese Auslöseverzögerungen liegen je nach Kamera über 50 Millisekunden. Das hört sich wenig an, ist aber bei Highspeed-Fotografie und in anderen Bereichen bereits zu lange.

Blitz durch externes Signal triggern

Über einen Sensor (hier in der Regel Geräusch) wird der Blitz ausgelöst (getriggert). Die Kamera ist bereits ausgelöst und befindet sich in einer Langzeitbelichtung (mehr dazu im folgenden Text).

Großer Vorteil ist, dass wir hier je nach Blitzgerät Geschwindigkeiten von 1/10.000 erreichen können – sprich unsere eingefrorene Zeitscheibe ist sehr „dünn“.

Nachteile: Wir benötigen entsprechende Hardware, um Blitze entsprechend zu triggern, sehr schnelle Blitze und einen komplett dunklen Raum.

Schauen wir uns im Folgenden an, wie durch die Möglichkeit mit einem durch ein externes Signal ausgelösten Blitz das Platzen des Wasserballons eingefroren werden kann.

Highspeed-Fotografie durch getriggerten Blitz

Um unsere Highspeed-Fotografie realisieren zu können, wird ein absolut dunkler Raum benötig, da die Kamera auf Langzeitbelichtung eingestellt wird. Die Belichtung selber erfolgt durch den Blitz, somit haben wir trotz des Modus Langzeitbelichtung eine Highspeed-Aufnahme.

Benötigter Raum – wasserfest und warm

Vorbereitung für Wasserbomben-Highspeed-Fotos – vor der Leiter sieht man den Wasserbomben-Vorrat
Vorbereitung für Wasserbomben-Highspeed-Fotos – vor der Leiter sieht man den Wasserbomben-Vorrat

Es bietet sich für diese Gelegenheit eine Garage an, die man gut beheizen kann! Es wird nass und spätestens nach dem zehnten Wasserballon steht das Wasser auf dem Boden. Natürlich kann man auch ein Kinderschwimmbecken unter die Person packen.

Für alle Einstellungen und Tests hilft eine Schaufensterpuppe. Diese reagiert auf Wasser i.d.R. weniger kälteempfindlich.

Gerät zum Blitzauslösen

Ich habe mich für das „triggie pro+“ entschieden. Ein kleines feines Gerät, das sowohl über einen externen Lichtsensor als auch über Mikrofon (intern wie extern) die Blitze mit einer extrem geringen Auslöseverzögerung ansteuern kann. Für die exakten technischen Daten einfach auf der Website des Herstellers „Mario Ohnmacht Elektronik“ nachschlagen: https://www.highspeed-photography.de/produkte/

Es gibt noch weitere Hersteller solcher Geräte – meiner Entscheidung für das „triggie pro+“ lag zugrunde, dass es in Deutschland hergestellt wird und alles unterstützt, was ich benötige und das auch noch zu einem vernünftigen Preis.

Blitze und Abbrenndauer/Abbrennzeit

Studioblitze sind etwas Schönes, um seine Kreativität auszuleben. Allerdings sind die meisten Blitze nicht auf Highspeed ausgelegt. Das liegt auch daran, dass bei Kameras der Verschlussvorhang komplett offen sein muss, wenn der Blitz auslöst (siehe das Kapitel im Foto-Kurs zum Verschlussvorhang). Der Verschlussvorhang ist komplett offen bei Zeiten von maximal 1/160 Sekunden (bei manchen Kameras auch 1/200) – abhängig vom Kameramodell. Werden kürzere Zeiten eingestellt (z.B. 1/500), läuft der Verschlussvorhang als Schlitz über die Sensorfläche – je schneller, desto schmaler der Schlitz. Das ist bei einer Belichtung über einen Blitz absolut nicht hilfreich. Manche Kamerabesitzer werden nun einwenden, dass kürzere Verschlusszeiten mit der eigenen Kamera und dem eigenen Blitz anscheinend funktionieren. Technisch wird hier bei kürzer eingestellten Zeiten der Blitz sehr schnell hintereinander ausgelöst – was bei Highspeed-Fotos nicht gewünscht ist.

Für unsere Highspeed-Aufnahmen benötigen wir also Blitze mit einer sehr kurzen Abbrenndauer. Hier nutze ich als Studioblitz einen „Helios 680A“ – dieser bietet in der niedrigsten Stärke (Einstellung 1/64) eine Abbrenndauer von 1/10.000 Sekunden.

Ein schönes Video zum Messen der Abbrenndauer gibt es unter:
https://www.highspeed-photography.de/highspeed-fotografie/abbrenndauer/

Zum Testen des eigenen Blitzes auf Geschwindigkeit wird es ein extra Kapitel geben. Als Faustformel einfach die folgende Aussage:

Wichtig: Ein Blitz ist in der Regel schneller (sprich kurze Abbrennzeit), wenn er auf die niedrigste Leistung eingestellt wird!

Lichtschranke oder Geräusche? Wie löst man am besten einen Blitz aus?

Die Arbeit mit einer Lichtschranke funktioniert – allerdings nicht so zuverlässig, wie das Auslösen über Geräusche.

Aber erst einmal ein Ergebnis:

Lichtschranke im Highspeed-Foto sichtbar
Lichtschranke im Highspeed-Foto sichtbar

Hier sieht man schön die Form des Ballons als Wasserkugel (dessen Gummihaut oben noch zusammengeschrumpft sichtbar ist). Der größte Nachteil bei der Technik über eine Lichtschranke (je nach Licht) ist, dass dieses sichtbar sein kann. Im obigen Foto ist die Lichtschranke knapp über dem Kopf, damit die Platzierung der Person einfach wurde. Allerdings sieht man durch die Langzeitbelichtung einen weißen Lichtstreifen. Dieser entsteht durch den Ballon, der durch das Licht „fällt“, aber trotzdem genug Licht in Richtung Kamera wirft, sodass dadurch der Lichtstrahl der Lichtschranke bei der Langzeitaufnahme sichtbar wird.

Praxistipp: Reißzwecke auf Kopf

Am besten man befestigt über Panzertape (oder was gerade zur Hand ist) eine Reißzwecke auf dem Kopf der Person. Trifft der Wasserballon dort auf, dann platzt er auch zuverlässig.

Wasserballon durch Reißzwecke zum Platzen animieren
Wasserballon durch Reißzwecke zum Platzen animieren

Allerdings sollte der von oben Werfende auch exakt treffen!

Wasserballon platzt nicht – es gibt interessante Formen
Wasserballon platzt nicht – es gibt interessante Formen

Sonst gibt es klassische „Kackhaufen“. Wasserbomben in einer Form, die man noch nie gesehen hat!

Triggern des Blitzes mit gewählter Verzögerung

Was sich im ersten Moment merkwürdig anhört, ist in der Praxis extrem wichtig! Der Blitz darf erst mit einer bestimmten Verzögerung ausgelöst werden. Löst der Blitz zu früh aus, haben wir den kompletten Ballon auf dem Foto.

Wasserballon noch im Fallen – das kann einem bei der Auslösung über Lichtschranke passieren
Wasserballon noch im Fallen – das kann einem bei der Auslösung über Lichtschranke passieren

Dieses Problem hat man verstärkt beim Einsatz von Lichtschranken.

Triggert man den Blitz über ein Geräusch, dann ist dieses Problem mit „viel zu früh ausgelöst“ vom Tisch – aber nicht vollständig!

Allerdings kann ein „zu früh“ auch bei der Auslösung über Geräusche passieren, was das nächste Foto schön zeigt.

Ballonhaut fast noch komplett sichtbar – Auslösen über Geräusch
Ballonhaut fast noch komplett sichtbar – Auslösen über Geräusch

Die Form des Wasserballons und die Ballonhaut sind auf dem Foto noch sehr gut erkennbar – der Wasserball hat sich noch nicht ausgebreitet.

Schön ist, wenn man Geschichten über die Fotos erzählen kann. Hier Baseball der anderen Art.

zu harter Schlag beim Baseball – Ball zerplatzt
zu harter Schlag beim Baseball – Ball zerplatzt

Auslösen des Blitzes über Mikrofon

Präzise kann der Blitz über ein Mikrofon ausgelöst werden. Dieses sollte so angebracht werden, dass es nahe genug ist, um das Platzen des Wasserballons gut aufnehmen zu können und weit genug entfernt, dass es weder im Bild ist noch durch Wasser getroffen und dadurch zerstört wird.

Platzierung Mikrofon bei Highspeed-Wasserperücken
Platzierung Mikrofon bei Highspeed-Wasserperücken

Schwank aus dem Leben: Hat man sein Mikrofon versehentlich zerstört, weil es einen Schwall Wasser abbekommen hat, dann ist wieder die Technik mit der Lichtschranke angesagt. Dies ist mir prompt beim zweiten Shooting passiert – daher billige Mikrofone verwenden und immer Ersatz da haben. Mikrofone für fünf bis zehn Euro erfüllen ihren Dienst für die Blitzauslösung – wir machen ja keine Gesangsaufnahmen.

Passt alles, kann man Spaß haben. Warmes Wasser in den Ballons macht Spaß – und unter Freunden von Zeit zu Zeit einer mit kaltem Wasser.

Und was nach Schreien aussieht, war nur gestellt:

Foto von der Seite – kein Problem mit offenen Augen
Foto von der Seite – kein Problem mit offenen Augen

Eine gute Idee ist noch, den Hintergrund über einen zweiten Blitz auszuleuchten – hier kann man mit verschiedenen Farben spielen – wir haben blau genutzt.

hier das gewünschte Endergebnis – eine Perücke aus Wasser
hier das gewünschte Endergebnis – eine Perücke aus Wasser
lässig – na dann Prost
lässig – na dann Prost

Durch den ausgeleuchteten Hintergrund erfolgt eine bessere Sichtbarkeit des Wassers.

Hochzeitsschleier aus Wasser über Highspeed-Fotografie
Hochzeitsschleier aus Wasser über Highspeed-Fotografie

Die neue Form des Hochzeitsschleiers.

Zu guter Letzt

Viel Spaß beim Spielen und Fotografieren.

ABER immer darauf achten, dass Wasser und Strom nicht zusammenkommen! 240 Volt können tödlich sein! Also daher mit Sinn und Verstand an die Arbeit gehen, und dann kann man auch richtig Spaß haben!

Viele tolle Fotos wünscht euch der Foto-Kurs.com