Objektive für Digitalkameras

Objektive für Digitalkameras

Kamera:
Canon EOS 5D Mark II
Blende:
f/20
Belichtung:
1/160 Sek.
ISO:
100
Brennweite:
50 mm

Das Objektiv der Digitalkamera

Jede Kamera benötigt eine Optik, also das Objektiv - in Kompaktkameras ist dieses fest integriert, bei Spiegelreflexsystemen wechselbar. Es gibt kein ideales Objektiv, das für alle Anwendungsfälle die optimalen Eigenschaften besitzt. Daher ist die Möglichkeit zum Auswechseln der Objektive bei Spiegelreflexkameras vorteilhaft, um die bestmögliche Qualität zu erhalten.

Aber egal welche Kameraart man sich ansieht - das dahinterliegende Grundprinzip ist dasselbe und auch die verschiedenen möglichen Vorteile und Probleme sind identisch.

antiker Fotoapparat „Welta Compur“ mit fest eingebautem Objektiv

Antiker Fotoapparat „Welta Compur“ mit fest eingebautem Objektiv

Kamera:
Canon EOS 5D Mark II
Blende:
f/10
Belichtung:
1/160 Sek.
ISO:
100
Brennweite:
70 mm

Im Folgenden wird hauptsächlich von Objektiven gesprochen - damit sind auch eingebaute Objektive von Kompaktkameras gemeint.

Rahmendaten bei Objektiven für Kameras

Auf den ersten Blick sind 2 Angaben für ein Objektiv wichtig:

Im folgenden Bild sieht man eine Detailaufnahme der 1932 gebauten Kamera „Welta Compur“. Bereits hier findet man schon die Angabe 1:4,5 f.

Lichtstärke und Blendenzahl bei antikem Fotoapparat „Welta Compur“

Lichtstärke und Blendenzahl bei antikem Fotoapparat „Welta Compur“

Kamera:
Canon EOS 5D Mark II
Blende:
f/10
Belichtung:
1/160 Sek.
ISO:
100
Brennweite:
70 mm

Dieses Objektiv hat also eine Lichtstärke von f/4,5 - je kleiner der Wert ist, desto mehr Licht kann auf den Film bzw. Bildsensor fallen. Für das Alter der Compur ist das schon ein guter Wert.

Je lichtstärker ein Objektiv ist, desto mehr Freiheit hat der Fotograf. Diese Angabe auf dem Objektiv gibt die größtmögliche Blendenöffnung an, was der maximalen Lichtstärke des Objektivs entspricht. Auf dem Bild ist zu sehen, wie bei der alten Kamera noch die Blende durch den unteren Regler eingestellt werden kann. Gerade steht der Pfeil nicht ganz auf dem Blendenwert f/22 - möglich sind Blendenwerte von f/4,5 bis f/22.

Besonders im Kapitel Blende wird auf das Zusammenspiel zwischen Blende und Zeit eingegangen.

Brennweite eines Objektives

Als zweite Angabe ist die Brennweite wichtig bzw. bei Zoomobjektiven die möglichen Bereiche inklusiv der zugehörigen Lichtstärke.

Angaben auf Objektive für Digitalkameras

Angaben auf Objektiv für Digitalkameras

Das obige Objektiv hat eine Festbrennweite von 50 mm mit einer Lichtstärke von f/1,4 (Angabe links).

Folgendes abgebildete Objektiv hat einen Zoombereich von 24-70 mm mit einer konstanten Lichtstärke von f/2,8. Die konstante Lichtstärke hat den Vorteil, dass man den eingestellten Blendenwert von f/2,8 durchgängig zur Verfügung hat, egal ob man sich im Bereich 24 mm oder 70 mm befindet.

Objektiv mit 24-70 mm Brennweite

Objektiv mit 24-70 mm Brennweite

Dagegen hat folgendes Objektiv einen Zoombereich von 18 mm-250 mm und einer Lichtstärke von f/3,5 bis f/6,3. Das bedeutet, dass man bei der 18 mm Einstellung eine Blende von f/3,5 verwenden kann, aber sobald man zu zoomen anfängt, der Anfangsblendenwert deutlich schlechter wird. Bei 140 mm ist der Anfangsblendenwert bei f/6,3.

Objektiv mit 18-250 mm

Objektiv mit 18-250 mm Brennweite

Qualität hat aber deutlich seinen Preis - besonders wenn man Fotografie als Hobby betreibt, schmerzen Preise von 1000 Euro allein für ein Objektiv. Und es geht auch noch teurer.

Objektivbezeichnungen

Je nachdem mit welchem Bildwinkel ein Objektiv genutzt wird bzw. welchen das Objektiv zur Auswahl bietet, spricht man von:

Skizze zu Bildwinkel für Weitwinkelobjektiv, Normalobjektiv und Teleobjektiv

Skizze zu Bildwinkeln für Weitwinkelobjektiv, Normalobjektiv und Teleobjektiv

Hierbei entspricht das Normalobjektiv der menschlichen Sehgewohnheit - daher auch der Name.

Wird in einem breiten Winkel gesehen, spricht man von einem Weitwinkelobjektiv - dazu muss der Mensch schon seinen Kopf drehen, bzw. die Augen hin- und her bewegen.

Bei einem Teleobjektiv können Objekte vergrößert dargestellt werden.

In der Regel wird man keine Winkelangaben finden, sondern die Objektive werden über ihre Brennweite angegeben.

Brennweite versus Bildwinkel bei Objektiven

Die Angabe der Brennweite stammt noch aus den analogen Zeiten der Fotografie. Hier war der Film genormt - i.d.R. im Kleinbildformat (Abkürzung KB). Hier hatte man seine 24 x 36 mm.

Somit war die Brennweite identisch mit dem Bildwinkel.

Die folgende Abbildung ist auf Basis des KB-Formats - hier sind die Brennweiten im Verhältnis zum Bildwinkel aufgezeigt.

Brennweite versus Bildwinkel bei Weitwinkel-, Normalobjektiv und Teleobjektiv

Brennweite versus Bildwinkel bei Weitwinkel-, Normalobjektiv und Teleobjektiv

Allerdings hat sich mit der digitalen Fotografie die Anzahl der verschiedenen Größen von Bildsensoren stark erhöht - neben dem Vollformatsensor (der mit seinen Maßen dem Kleinbild entspricht) gibt es noch APC-C, Four Thirds 4/3 und einiges mehr.

Hierbei ändert sich nicht der Bildwinkel - dieser bleibt konstant für alle Formate. Aber je nach Sensorgröße entspricht ein Objektiv mit einem Bildwinkel von 46° dann 50 mm oder durch die Ausschnittvergrößerung, die ein kleiner Sensor mit sich bringt, dann eher 80 mm. Von „Brennweitenverlängerung“ (was man oft liest) zu sprechen, ist falsch. Es wirkt wie eine Verlängerung der Brennweiten, weil das Bild „größer“ abgebildet wird - in Wirklichkeit ist es aber nur eine Ausschnittvergrößerung.

Man hat z. B. mit einem 50 mm-Objektiv an einer Kamera mit APS-C Sensor dann den Ausschnitt eines 80 mm-Objektivs - aber nicht die Vorzüge eines 80 mm Objektivs. Das 80 mm-Objektiv hat den Vorteil in der Porträtfotografie, dass es eine kissenförmige Verzeichnung hat, was Gesichter schlanker abbildet. Dazu mehr im Kapitel über Porträtfotografie.

Kurz: Wir finden also die Angaben der Brennweite bei Objektiven - sollten uns aber des Formatfaktors (siehe Kapitel Bildsensor) unserer Kamera bewusst sein.

Festbrennweite und Zoomobjektiv

Viele Objektive gibt es als Festbrennweite - sprich: mit nur einem festen Wert. Das hat den Vorteil, dass ein Objektiv mit Festbrennweite exakt auf die eine Brennweite optimiert ist und so die maximale Qualität möglich ist.

Von Zoomobjektiven spricht man, wenn das Objektiv variable Brennweiten bietet. Es gibt reine Weitwinkel-Zoomobjektive - diese bieten z. B. eine Bandbreite von 10-24 mm. Es gibt reine Zoom-Teleobjektive, z.B. mit einem Bereich von 70-200 mm.

Und es gibt Zoomobjektive, die alle Bereiche umschließen, z. B. 18-250 mm. Allerdings erkauft man sich meistens diese „Freiheit“ mit einer Verschlechterung der Abbildungsqualität.

Digitaler Zoom

Finger weg davon - verschiedene Kameras (besonders im Consumer-Bereich) bieten ein Zoom, das rein digital errechnet wird. Das Foto wird kameraintern großgerechnet. Die Qualität ist einfach nicht vorhanden - woher auch - es wird hier nur gerechnet und interpoliert.

Also immer mit einem echten optischen Zoom arbeiten und das digitale Zoom deaktivieren. Hat Ihre Kamera nur ein digitales Zoom, dann schauen Sie sich einmal genau die Qualität der Bilder an. Machen Sie ein Bild mit Zoom und ein zweites ohne Zoom mit dem gleichen Ausschnitt (ja, man muss sich dann ein Stück näher an das zu fotografierende Objekt heran bewegen). Die Qualität bei Fußarbeit dürfte sichtbar besser sein.

Autor: Axel Pratzner