Kurve zwischen Unverständnis, Optimal und Langeweile

Kurve zwischen Unverständnis, Optimal und Langeweile (Grafik: A. Pratzner)

Warum ein Foto machen Menschen gefällt und dasselbe Foto anderen Menschen missfällt

oder: Informationstheorie und Fotografie

Oft stellt man sich die Frage, warum ein Foto einigen Menschen gefällt und einigen anderen wiederum gar nicht. Hier bietet die Informationstheorie für die Fotografie Antworten. Was sich jetzt erst mal hochwissenschaftlich und komplex anhört, ist in Wirklichkeit ganz einfach.

Zur Erklärung: In der Informationstheorie ist der Begriff der Kommunikation durch das Sender-Empfänger-Modell geprägt. Informationen (beim Fotografieren das Foto) werden über einen Kanal (das Sehen) an einen Empfänger (den Betrachter des Fotos) übermittelt.

Hier können mehrere „Probleme“ auftreten. Alleine schon der Kanal kann ein Problem darstellen, was man als Fotograf gerne vergießt. Liegt beim Empfänger eine Farbfehlsichtigkeit vor, kann ein Farbfoto komplett anders aufgenommen werden.

Gehen wir von einem normalsichtigen Empfänger aus, ist ab jetzt das Verständnis des Fotos vom Betrachter und dessen Hintergrund abhängig. Für den Betrachter kann das Abgebildete auf dem Foto komplett unbekannt sein oder schon 1000 mal gesehen. Komplett unbekannt wäre „Original“ und bereits 1000-mal gesehen ist „Banal“.

Jetzt können wir das Ganze auch visuell (irgendwie sind Fotografen ja dann doch visuell stärker geprägt) als eine Kurve abbilden, die den Informationswert einer Nachricht (Inhalt des Fotos) anzeigt.

Der Informationswert hat 2 Seiten:

  1. Ist etwas banal (komplett bekannt), ist es uninteressant (langweilig)
  2. Ist etwas komplett unbekannt (ein Original), kann es auf komplettes Unverständnis stoßen und auch als uninteressant abgestempelt werden.
Kurve zwischen Unverständnis, Optimal und Langeweile

Kurve zwischen Unverständnis, Optimal und Langeweile

Pessimistische Schlussfolgerung:

Wir können es als Fotograf NIEMALS allen recht machen. Was die einen als interessant empfinden, überfordert andere oder langweilt diese. Nach der Informationstheorie ist das Qualitätsempfinden also abhängig von Wissenstand und Kulturkreis des Betrachters.

Hilfreiche Schlussfolgerung für Fotografen

Wenn ein Foto etwas zeigt aber keine Bezugsmöglichkeit gibt, wird es schwer für einen unbeteiligten Betrachter das Foto zu bewerten. Auf einem Foto ist der noch größte Gletscher dieser Welt zu sehen. Allerdings ist der Größenvergleich nicht direkt erkennbar. Die kleinen schwarzen Punkte unten in der Mitte sind Busse, die Besucher zum Gletscher fahren. Ohne dieses Wissen könnte das Bild auch eine Schneeverwehung im Makromodus fotografiert sein. Hier fehlt also der Anhaltspunkt und Bezugspunkt für den Betrachter.

Versuchen Sie Ihre eigenen Fotos mit den Augen eines Unbeteiligten zu sehen! Wenn jemand nicht an dem Platz war, an dem das Foto entstanden ist, was kann er aus dem Foto ziehen? Was sieht er? Erzählt ein Foto auch einem Unbeteiligten eine Geschichte?