Vogel im Landeflug - kurze Belichtungszeit notwendig

Vogel im Landeflug - kurze Belichtungszeit notwendig (Fotograf: AP)
Kamera: Canon EOS 350D Blende: f/10 Brennweite: 55 mm Belichtung: 1/1000 Sek. ISO: 400

Belichtungszeit

Je nachdem, was für ein Motiv man hat, kann die Voreinstellung der Belichtungszeit bevorzugt werden. Möchte man schnelle Bewegungen auf dem Foto „einfrieren“, muss man die Belichtungszeit festlegen.

Die Angabe der Belichtungszeit erfolgt in Sekunden. Meistens wird man einen Bruchteil einer Sekunde haben, also mit Belichtungszeiten von 1/60 oder 1/200 Sekunde fotografieren.

Die Belichtungszeit ist für 3 Dinge wichtig:

  1. Die Belichtungszeit regelt, wie lange Licht auf den Bildsensor fällt, und somit, ob ausreichend, zu viel oder zu wenig Licht für eine korrekt belichtete Aufnahme vorhanden ist.
  2. Je nach Belichtungszeit kann eine Aufnahme aus der Hand scharf oder verwackelt (unscharf) werden. Je länger die Belichtungszeit, umso größer die Gefahr.
  3. Die Belichtungszeit ist je nach Motiv für die Aussage notwendig (will ich bewegtes Wasser eingefroren oder fließend zeigen).

Scharfe Fotos durch korrekte Belichtungszeit

scharfe Aufnahmen aus der Hand durch richtige Wahl der Belichtungszeit

Durch die richtige Wahl der Belichtungszeit können scharfe Aufnahmen „aus der Hand“ geschossen werden (wir sprechen nicht von Aufnahmen mit einem Stativ). Da wir als Menschen nur schwer zu 100 % ruhig eine Kamera halten können, ist es notwendig, eine Belichtungszeit zu wählen, die unser Gewackel nivelliert, d. h. bei der das Bild schon im Kasten ist, bevor wir es verwackeln können.

Belichtungszeit = Kehrwert der Brennweite Beispiel: 50 mm Brennweite, mindestens 1/50 s

Hierbei gilt als Faustregel (ohne Bildstabilisator), dass die Belichtungszeit mindestens dem Kehrwert der Brennweite entsprechen soll. Wurde eine Brennweite von 50 mm gewählt, sollte die Belichtungszeit mindesten 1/50 s betragen. Wird eine Brennweite von 200 mm genutzt, sollte als Belichtungszeit also mindestens 1/200 s eingestellt werden.

Diese Regel gilt für Fotomotive (Objekte), die sich nicht bewegen (oder nur wenig).

Ist ein Bildstabilisator vorhanden (und aktiv), so hat man in etwa 2–3 Blendenstufen (siehe Kapitel Blende) mehr Puffer. In Zeit ausgedrückt: Fotografiere ich mit einem 200 mm Objektiv, würde ich ohne Bildstabilisator 1/200 s benötigen; davon 2 Blendenstufen runter (Vorgriffe auf das Kapitel Blende: jeweils 1 Blendenstufe halbiert die Zeit) sind dann also scharfe Aufnahmen mit 1/200 * 1/2 * 1/2 = 1/50 s bei einer Brennweite von 200 mm noch möglich.

Verschlusszeiten für bewegte Objekte

schnelle Bewegung durch kurze Belichtungszeit einfrieren

Kurzformel: Geschwindigkeit von Objekt + Bewegungsrichtung + Abstand

Möchte ich nun bewegte Objekte fotografieren, dann sollte ich die Geschwindigkeit der Eigenbewegung der zu fotografierenden Objekte, die Bewegungsrichtung und den Abstand zum Objekt berücksichtigen (was für ein Satz).

Colibri im Flug

Colibri im Flug (Fotograf: AP)
Kamera: Canon EOS 50D Blende: f/7,1 Brennweite: 210 mm Belichtung: 1/400 Sek. ISO: 400

Beispielsweise kann beim Tennisaufschlag der Ball eine Geschwindigkeit von 249,4 km/h erhalten (ist der Rekord von einem Weltranglistentennisspieler).

Aufschlag Tennis (24mm f/4,5 1/1250s ISO 100 Canon EOS 5D Mark II)

Aufschlag Tennis (Fotograf: AP)
Kamera: Canon EOS 5D Mark II Blende: f/4,5 Brennweite: 24 mm Belichtung: 1/1250 Sek. ISO: 100

Für diese hohen Geschwindigkeit beim Tennis benötige ich dann eine Verschlusszeit von ca.

Bewegung in Relation zur Kamera Verschlusszeit
durch Bildfeld (90° zur Kamera) 1/5000 s
diagonal (45° zur Kamera) 1/2500 s
Richtung Kamera 1/1250 s

Tabelle: Verschlusszeiten bei 250 km/h

Aber selbst bei Joggern benötigt man schon kürzere Verschlusszeiten als bei ruhenden Fotomotiven.

Für extrem lange und sehr kurze Belichtungszeiten gibt es auch Bezeichnungen:

Bei Werten kürzer als 1/5000 s spricht man von Kurzzeitfotografie.

Bei Werten länger als 5 s spricht man von Langzeitbelichtung.

Bildaussage über Belichtungszeit

Über die Verschlusszeit und damit Belichtungszeit können Bewegungen eingefroren werden oder die Bewegung anhand von Unschärfe (im folgenden Bild das Fließen des Wassers) gezeigt werden. Hier bietet sich als Beispiel Wasser an.

Wasserfall Kanada: das Wasser wirkt wie eingefroren

Wasserfall Kanada: das Wasser wirkt wie eingefroren (Fotograf: AP)
Kamera: Canon EOS 50D Blende: f/7 Brennweite: 35 mm Belichtung: 1/1000 Sek. ISO: 100

trinkende Taube auf Brunnen: das Wasser ist unscharf - fließend

trinkende Taube auf Brunnen: das Wasser ist unscharf - fließend (Fotograf: AP)
Kamera: Canon EOS 50D Blende: f/5,6 Brennweite: 120 mm Belichtung: 1/160 Sek. ISO: 320

Schwerpunkt Belichtungszeit bei Kamera einstellen

Wenn für das Fotomotiv also die Belichtungszeit ausschlaggebend ist (weil man eine Bewegung z. B. einfrieren möchte), dann sollte man an der Kamera die Belichtungszeit festgelegen.

Bei Canon wird das Auswahlrad auf Tv (Blendenautomatik) gestellt. Man kann nun selber die Verschlusszeit wählen und die für diese Lichtsituation, bzw. Belichtungszeit passende Blende wird von der Kamera automatisch bestimmt.

Einstellung Tv für Blendenautomatik Einstellung Tv für Blendenautomatik

Lichtmenge über Belichtungszeit regeln

In Kombination mit der Blende (wie viel Licht einfallen kann) und der Belichtungszeit (wie lange Licht einfallen kann) wird nun die „Menge an Licht“ geregelt. Im nächsten Kapitel geht es um die Blende.

Für ein korrekt belichtetes Bild ist eine gewisse Menge an Licht notwendig (siehe Kapitel „Richtig belichtetes Bild“).

Autor: Axel Pratzner

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